Im Jahr 2019 wurde es angekündigt, jetzt ist es endlich da: das PTA-Reformgesetz. Was einmal anfing als Versprechung der Stärkung des Berufsbildes der PTA ist vor allem eines: enttäuschend. In Zeiten, in denen aus fast jeder Apotheke das gleiche Klagelied nach fehlendem Personal zu hören ist und wir gesellschaftlich aus einer pandemischen Lage kommen, die allen vor Augen geführt haben dürfte, dass Gesundheitsberufe wichtiger denn je sind, wird der mit rund 68.000 Mitgliedern größten Gruppe von Apothekenmitarbeitern eine Watsche erteilt. Mehr noch: Es wird den Betroffenen, und das sind nicht nur PTA, sondern auch Apotheker, PKA und Co., auch noch so verkauft, als würde man dem Beruf einen Gefallen tun. In der Realität ist das Gegenteil der Fall.
Am Alltagsgeschäft ändert das Gesetz an sich nichts. PTA haben schon zuvor Beratungserlaubnisse, Abzeichnungserlaubnisse und Sonderbefugnisse erhalten dürfen. Tatsächlich dürfte es kaum eine Apotheke geben, in der PTA konsequent abzugebende Arzneimittel und Rezepte beim Apotheker vorzeigen (müssen). Das wäre ja auch widersinnig, stellt der Apothekenleiter doch PTA ein, um Tätigkeiten in der Beratung und Rezeptbelieferung zu delegieren – denn wenn jeder Vorgang sowieso kontrolliert werden muss, hat die Apotheke von der einen „Kassierkraft“ mehr keinen Nutzen. Und grundsätzlich ist es gang und gäbe, dass in Apotheken nach dem 4-Augen-Prinzip gearbeitet wird, wenn es um T-, Privat-, BtM-Rezepte (für deren Belieferung sowieso ein Apotheker bemüht werden muss) oder Hochpreiser geht. Da lassen sich übrigens auch Apotheker gerne kontrollieren – denn irren ist menschlich.
Aber Moment, werden nun einige denken. Es gibt doch Erleichterungen bei den Rezeptur- und Prüfprotokollen. Die darf ein PTA, der in seiner Ausbildung gut war, drei Jahre Berufserfahrung besitzt und zudem ein Jahr auf sein Können überprüft wurde, nun auch selbst unterschreiben – nur dass die Freigabe immer noch der Apotheker erteilen muss. Darüber hinaus ist das nun wirklich nicht der Prozess, der den Apotheken die große Arbeit bereitet. Sinnvolle Neuerungen, die das Gesetz hätte bringen sollen, wurden rechtzeitig gestrichen. Angedacht war z. B., dass PTA Apotheker ausnahmsweise vertreten dürfen – etwa, weil der Apotheker mit einem PTA allein in der Apotheke ist und sich „nur mal eben kurz“ ein Brötchen nebenan holen möchte. Mit dem aktuellen Gesetz heißt es weiterhin: Die Apotheke muss geschlossen werden, bis wieder ein Apotheker da ist. Oft wird an dieser Stelle auf die telefonische Erreichbarkeit des Apothekers verwiesen und dass diese ja ausreiche. Nun, stellen Sie sich vor, der Akku ist leer, der Empfang in der Bäckerei nebenan ist schlecht oder der Anruf wird verpasst, weil gerade das Brötchen bezahlt wird. Das heißt im schlimmsten Falle: Strafe. Ja, solche Fälle sind schon passiert und wurden auch schon bestraft.
Noch eine Änderung, die es nicht ins Gesetz geschafft hat: Karrierechancen für PTA. Die bleiben nämlich, genau wie das Tarifgehalt, eher gleich. Zwar wird derzeit noch überlegt, wie man Praxisbegleitungs-PTA realisieren könnte, das ist aber Zukunftsmusik und weder mit beruflichem Fortschritt noch mit mehr Gehalt verbunden. Aufstiegschancen? Fehlanzeige. Das ist als Sinnbild für einen derart frauendominierten Beruf (rund 90 % Frauenanteil) ein Armutszeugnis.
PTA sind ein wichtiges Zahnrad der Apotheke
Die Deutsche Apothekenlandschaft wird von Jahr zu Jahr karger, und immer wieder ist vom Apothekensterben die Rede. Die letzten Jahre haben bei jedem Apothekenmitarbeiter an den Kräften gezehrt, Spuren hinterlassen. Viele haben den Beruf sogar verlassen. Wenn dann von der Politik das Signal gesendet wird: Ihr seid uns egal – dann muss sich niemand wundern, wenn in ein paar Jahren Aspirin, Viagra und Fentanyl-Gummibärchen beim Bestellservice mit dem großen „A“ im Monatsabo zu erstehen sind. Wir brauchen weiterhin gut ausgebildete, motivierte, beherzte Apothekenmitarbeiter. Wenn mehr als die Hälfte dieser Mitarbeiter aber wegzubrechen droht, weil der Beruf konsequent vernachlässigt, gar an der Nase herumgeführt wird, ist auf kurze und lange Sicht keine Besserung der Personalengpässe absehbar.
Dieser Beitrag soll übrigens keinesfalls die Wichtigkeit der Apotheker oder die Tiefe der Inhalte des Pharmaziestudiums schmälern – ganz im Gegenteil. Apotheker und PTA haben ihre Stärken und Schwächen, die es auszubauen und aufzufangen gilt – indem beide Berufsgruppen ihre Daseinsberechtigung und die Möglichkeiten erhalten, sich gegenseitig zu unterstützen.