Anzeige

Viele RSV-Infektionen im Winter 2022/2023 bei Kindern und Jugendlichen

In der Winter­saison 2022/2023 konnte ein starker Anstieg an Atem­wegs­infektionen beobachtet werden. So wurden auch nach einem Rück­gang zum Jahres­wechsel mehr akute Atemwegs­infektionen verzeichnet als in den Vor­jahren.1 Besonders auf­fällig waren die vielen Hospitalisierungen bei Kindern und Jugendlichen mit Atemwegs­infektionen aufgrund des Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV), das zwischen dem 18.11.2022 und 02.01.2023 der häufigste Grund für eine Neu­auf­nahme war.2 Besorgnis­erregend ist vor allem die Alters­verteilung: 88 % der aufgrund von RSV einge­wiesenen Kinder waren unter 2 Jahren alt und auf der Kinder­intensiv­station waren 60 % der RSV-Patienten jünger als 3 Monate.2

Was ist RSV?

Das Respiratorische Synzytial-Virus ist ein welt­weit verbreiteter Erreger für akute Erkrankungen der oberen und unteren Atem­wege, der insbesondere für Säug­linge und Klein­kinder eine große Belastung dar­stellt. So wird davon ausge­gangen, dass innerhalb des 1. Lebens­jahres 50–70 % und bis zum Ende des 2. Lebens­jahres nahezu alle Kinder eine RSV-Infektion durch­ge­macht haben.3 Während leichte Infektionen in der Regel selbst­limitierend verlaufen, sind RSV-Infektionen die häufigste Ursache für Hospitalisierungen aufgrund von schweren akuten respiratorischen Infektionen bei Säuglingen.4 Dement­sprechend hoch ist die Krank­heitslast.


zilvergolf – stock.adobe.com

Risikofaktoren

Ob Säuglinge einen schweren Verlauf entwickeln, ist unvorher­sehbar. So können zwar Risikofaktoren, wie Früh­geburtlichkeit oder andere Komorbiditäten, das Auftreten eines schweren Verlaufs begünstigen, allerdings treten schwere Verläufe, die eine Hospitalisierung erforderlich machen, auch bei gesunden reifge­borenen Kindern ohne Vorer­krankungen auf.5

Therapie und Prävention

Bei einer RSV-Infektion kommen derzeit nur symptom­lindernde Maß­nahmen zum Einsatz, da eine kausale Behandlung zurzeit noch nicht möglich ist. Um einer Infektion vorzubeugen, sollte auf ausreichende Hygiene­maßnahmen geachtet und bei Verdacht einer Infektion Kinder­tages­stätten, Kinder­gärten und Schulen gemieden werden. Eine Impfung ist bisher nicht vorhanden, Risiko­gruppen (Früh­geborene, Kinder mit Vorer­krankungen) können mit dem mono­klonalen Antikörper Palivizumab eine passive Immunisierung erhalten. Dieser muss aufgrund der kurzen Halbwerts­zeit allerdings monatlich, während der RSV-Saison, intramuskulär appliziert werden.3
Die jüngsten Fortschritte bei den Strategien zur RSV-Prävention sind vielversprechend: Ende des Jahres wurde der Antikörper Nirsevimab zur Vorbeugung schwerer Infektionen der unteren Atem­wege durch RSV bei Neuge­borenen und Klein­kindern in der EU zugelassen. Nirsevimab wird als einzelne Injektion in den Oberschenkel­muskel verabreicht. Es wird einmal vor Beginn der RSV-Saison oder – bei Säuglingen, die während der RSV-Saison geboren sind – bei der Geburt verabreicht.6

Erfahren Sie mehr in der BAK-zertifizierten Fortbildung „Das Respiratorische Synzytial-Virus“, um Eltern aufzuklären.

» Hier geht’s zur Fortbildung

1 Robert Koch-Institut: Aktuelles zu akuten respiratorischen Erkrankungen – Kalenderwoche 51 und 52 (19.12.2022 bis 01.01.2023), abzurufen unter: https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2022_2023/2022-52.pdf, zuletzt abgerufen am 05.01.2023
2 Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie e.V.: Ad hoc Atemwegsinfektions-Erfassung der Krankheitslast bei stationär behandelten Kindern und Jugendlichen in Deutschland, abzurufen unter: https://dgpi.de/awi-erfassung-update/, zuletzt abgerufen am 05.01.2023
3 Robert Koch-Institut: Respiratorische Synzytial-Virus-Infektionen (RSV), abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_RSV.html, zuletzt abgerufen am 05.01.2023
4 Wick M, Damm O, Kramer R, Bangert M. Inpatient burden of respiratory syncytial virus in children ≤2 years of age in Germany: a retrospective analysis of nationwide hospitalization data, 2019-2021. Poster publication at IPSOR Europe 2022.
5 Arriola CS et al. J Pediatric Infect Dis Soc. 2020; 9(5): 587–595
6 European Medicines Agency: Beyfortus (Nirsevimab), abzurufen unter: https://www.ema.europa.eu/en/documents/overview/beyfortus-epar-medicine-overview_de.pdf, zuletzt abgerufen am 06.01.2023