Verschiedene Themen standen beim Deutschen Rheumatologiekongress vom 17. bis 20. September in Wiesbaden im Fokus. Darunter ein eher unterschätztes Leitsymptom entzündlich-rheumatischer Erkrankungen: Fatigue, eine chronische Erschöpfung, die Lebensqualität, Arbeitsfähigkeit und soziale Teilhabe stark einschränkt. Prof. Dr. Andreas Schwarting nannte in der Pressekonferenz verschiedene Pathomechanismen wie Neuroinflammation und Störungen von Mitochondrien und des Energiestoffwechsels als mögliche Ursachen der Fatigue. Therapien befinden sich derzeit noch in der Entwicklung, nichtsdestotrotz sollte bei Rheuma an Fatigue gedacht und Betroffene ernst genommen werden.
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Einen weiteren Schwerpunkt bildeten autoinflammatorische Erkrankungen, zu denen beispielsweise das familiäre Mittelmeerfieber zählt. Die Erkrankungen werden durch eine Fehlregulation des angeborenen Immunsystems verursacht. Verbesserungen beim Verständnis der Erkrankungen und der Diagnosemöglichkeiten führen dazu, dass mehr Fälle diagnostiziert werden. Neben monogenetischen, erblichen Fiebersyndromen umfasst das Spektrum auch polygenetische und multifaktorielle Erkrankungen wie Morbus Still oder die Gicht. Möglicherweise spielen die Prozesse auch bei Volkskrankheiten wie der Atherosklerose und von neurodegenerativen Erkrankungen eine Rolle. Somit könnten antiinflammatorische Therapiekonzepte aus der Rheumatologie, wie die Hemmung des NLRP3-Inflammasoms, auch bei der Behandlung von Volkskrankheiten zunehmend in den Fokus rücken.
Weitere Themen waren Sport und Rheuma, personalisierte sowie zelluläre Therapien und geschlechtsspezifische Aspekte in der Rheumatologie. Frauen erkranken an entzündlich-rheumatischen Erkrankungen zwar häufiger als Männer, bis zur Diagnose dauert es bei ihnen allerdings oft länger. Geschlechtsspezifisch können die Manifestation der Erkrankungen, Komorbiditäten und das Therapieansprechen unterschiedlich ausfallen. Das Thema soll laut DGRh zukünftig auch in die Leitlinienarbeit miteinfließen, um Diagnosewege zu beschleunigen, damit Patientinnen und Patienten schnellstmöglich notwendige Therapien erhalten.