Keine unkontrollierten Wechsel bei dosiskritischen Immunsuppressiva!

Aufgrund von Rabattverträgen ist die Apotheke häufig verpflichtet, verordnete Arzneimittel gegen wirkstoffgleiche Präparate auszutauschen. Bei bestimmten Wirkstoffen kann ein Wechsel auf eine andere Formulierung jedoch zu unerwünschten Wirkungen führen und damit den Therapieerfolg gefährden. Besonders kritisch sind unkontrollierte Präparatewechsel bei dosiskritischen Immunsuppressiva wie Ciclosporin oder Tacrolimus.

Unkontrollierter Wechsel kann Organtransplantat gefährden

Dosiskritische Immunsuppressiva wie Ciclosporin oder Tacrolimus besitzen eine geringe therapeutische Breite – bei ihnen stellt sich die erwünschte Wirkung nur in einem sehr engen Dosierungsbereich ein. Jeder Patient muss individuell anhand des Blutspiegels auf die optimale Dosis eingestellt werden und Präparatewechsel dürfen nur unter engmaschiger Kontrolle durch einen in der Transplantation erfahrenen Mediziner vorgenommen werden.1-5 Ein unkontrollierter Wechsel kann zu kritischen Veränderungen des Wirkstoffspiegels führen. Die möglichen Folgen reichen von schwerer Toxizität bei Überdosierung bis hin zur Organabstoßung infolge einer Unterdosierung.

Substitutionsausschlussliste

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wurde mit der Erstellung einer Substitutionsausschlussliste beauftragt, mit der kritische Arzneimittelsubstitutionen in der Apotheke verhindert werden sollen. Ciclosporin gehört zu den beiden ersten Substanzen, für die bereits seit April 2014 ein generelles Austauschverbot gilt. Für andere dosiskritische Immunsuppressiva besteht bislang kein Substitutionsausschluss.

Am 18. September 2014 hat der G-BA eine Liste mit weiteren Arzneimitteln veröffentlicht, die von den Apotheken zukünftig nicht mehr durch ein wirkstoffgleiches Produkt ersetzt werden dürfen. Neu aufgenommen wurde hier der Wirkstoff Tacrolimus. Dieser Beschluss muss allerdings noch vom Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geprüft werden und tritt erst nach erfolgter Nichtbeanstandung und Bekanntmachung im Bundesanzeiger in Kraft. Bis dahin bleibt die Anwendung Pharmazeutischer Bedenken ein wichtiges Instrument, um unkontrollierte Wechsel zu verhindern.

Arbeitshilfe zum Download

Eine Hilfestellung zur richtigen Dokumentation gibt die Arbeitshilfe „Pharmazeutische Bedenken bei Immunsuppressiva am Beispiel von Prograf®“.


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Fachinformation Prograf® Hartkapseln

1 van Gelder T et al. on behalf of the ESOT Advisory Committee on Generic Substitution. Transpl Int 2011; 24: 1135-1141
2 Deutsche Transplantationsgesellschaft, Empfehlung an die Mitglieder, 16.7.2010
3 Medicines and Healthcare products Regulatory Agency (MHRA), 6.6.2012
4 Danish Health and Medicines Authority, 13.7.2011
5 Fachinformation Prograf® Hartkapseln, Stand Sept 2013